Willkommen bei der Bremer Arbeitszeitinitiative!


Wir fordern menschen- und zukunftsgerechte Arbeitszeiten, Arbeitsumverteilung und Arbeitszeitverkürzung statt Arbeitszeitverlängerung. Während der eine Teil der Menschen gezwungen wird, immer länger erwerbstätig und jederzeit verfügbar zu sein, wächst die Zahl der Menschen, die überhaupt keine Erwerbsarbeit mehr haben. Bezahlte Arbeit ist nicht unbegrenzt verfügbar. Jede Stunde längere Arbeitszeit mindert die Chancen der Erwerbslosen auf einen Arbeitsplatz. Arbeitszeitverlängerung ist auch eine Bedrohung für die Jugend. Die Anzahl der Arbeitsplätze wird geringer, Auszubildende werden nach der Ausbildung meist nicht mehr beschäftigt, die Chancen auf einen Arbeitsplatz werden ungewiss.

 

Die Verlängerung der Arbeitszeit versperrt Frauen die gerade gewonnenen Zugänge zu Erwerbsarbeit und beruflicher Weiterentwicklung wieder. Eine partnerschaftliche Verteilung familiärer Aufgaben zwischen Männern und Frauen bedarf familienfreundlicher Arbeitszeiten und der Begrenzung der täglichen Erwerbsarbeitszeit.

 

Zeit ist knapp im Arbeitsalltag. Jede Sekunde zählt. Hektik und Zeitdruck lassen viele Menschen nicht mehr zur Ruhe kommen. Persönlich frei verfügbare Zeit nimmt ab. Das Leben der Menschen, die noch einen Arbeitsplatz haben, steht unter dem Diktat der Zeit. Arbeitsprozesse werden kontinuierlich beschleunigt, die Poren des Arbeitstages geschlossen.

 

Einseitig von Unternehmen bestimmte Flexibilisierung der Arbeitszeit nimmt uns immer mehr gemeinsame Zeit. Der Zusammenhalt und das solidarische Miteinander schwinden. Gesellschaftliches Leben aber ist an Rhythmen und gemeinsame Zeiten gebunden. Der Zeitanker Sonntag mit dem dazugehörigen freien Samstag stehen für diesen Rhythmus der Zeit im Ablauf der Woche. Wenn der Konsens darüber verloren geht, wann die Zeit des Arbeitens und wann die Zeit der Ruhe ist, wenn es keine gemeinsamen Feste und Feiertage gibt, nehmen gesellschaftlicher Zusammenhalt, Demokratie und Kultur Schaden.

 

Die radikale Ökonomisierung der Zeit bedroht soziale und gesellschaftliche Strukturen. Wie viel Zeit eine Krankenpflegerin für einen Kranken aufwenden darf, wird von wirtschaftlichen Kriterien bestimmt. Das bedeutet: Zuwendung im Minutentakt. Bald sollen Geschäfte rund um die Uhr geöffnet, Nacht- und Wochenendarbeit die Regel werden, und zwar nicht nur in Krankenhäusern, Verkehrsbetrieben und Theatern, sondern auch, um Autos oder Möbel zu produzieren. Es droht eine atemlose Rund-um-die-Uhr- Gesellschaft, die ihre Werte verliert und kulturell entwurzelt wird. Entgegen dem ökonomischen Trend der flexiblen Allverfügbarkeit des Menschen brauchen wir selbstbestimmte Zeit. Zeit, um die physischen und psychischen Belastungen der Arbeit abbauen zu können, Zeit um zu entspannen, Zeit für andere Menschen: für Kinder, PartnerInnen und Freunde, für Menschen in der Nachbarschaft, Eltern und alte Menschen, die einen Anspruch auf Solidarität haben, Zeit für soziales Engagement, für gesellschaftlich notwendige Arbeit, die wir für unser Gemeinwesen leisten.

 

Wir müssen uns der Bedeutung von Zeit neu bewusst werden, um der Ökonomisierung aller Lebenszusammenhänge zu widerstehen. Aber: In der heutigen Situation, in der ArbeitnehmerInnen große Sorgen um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze haben, sind die Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen manchmal in der schwierigen Lage einer zeitweisen Arbeitszeitverlängerung zuzustimmen. Dies bringt zum Ausdruck unter welchem Druck ArbeitnehmerInnen und ihre Interessenvertretungen derzeit stehen. Umso notwendiger ist es deshalb, die gesellschaftliche Diskussion um die Länge der Arbeitszeit zu führen.

 

Aus Verantwortung für die Gesellschaft wenden wir, VertreterInnen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, des Kirchlicher Dienstes in der Arbeitswelt, und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, sowie von attac in Bremen, uns gegen eine immer weitergehende Verlängerung der Arbeitszeit. Denn Arbeitszeitverlängerung vernichtet Arbeitsplätze, ist frauen- und familienfeindlich, bedeutet Gesundheitsverschleiß und zerstört die Zukunftschancen der Jugend.

 

Deshalb setzen wir uns für eine Umverteilung von Arbeit zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, für partnerschaftliche Lebenschancen und für Zukunftsperspektiven junger Menschen ein.