Noch deutlich höhere Teilzeitquoten als in Deutschland, Stress, emotionale Erschöpfung durch Arbeitsdruck und Zeitnot mit Milliardenkosten für die Wirtschaft – die langen Arbeitszeiten in der Schweiz haben deutliche Negativ-Effekte und sind in der Eidgenossenschaft keineswegs unumstritten. Das zeigt eine neue Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
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In Schottland haben auf eine offizielle Ausschreibung hin zwei Organisationen des öffentlichen Sektors- Accountant in Bankruptcy (AiB) und South of Scotland Enterprise (SOSE)- ein Jahr lang die 32- Stunden-Woche getestet.
Im übrigen wird die 35-Stunden-Woche wird von der "Scottish Public Sector pay policy" zum anzustrebenden Standard erhoben und wurde zum Zeitpunkt des Pilots bereits in allen öffentlichen Dienststellen praktiziert.
Beiden Organisationen ist es gelungen, die 32-Stunden-Woche ohne Leistungseinbußen umzusetzen und Produktionssteigerungen zu realisieren. Eine Weiterführung der 32-Stunden-Woche wurde im Rahmen des Forschungsprojektes allerdings nicht zugesagt.
Unter den Beschäftigten bei AiB ist die Zufriedenheit in Bezug auf Zeit-Gestaltung um 46,8 % gestiegen und auch die Arbeits- und Lebenszufriedenheit stieg signifikant.
Bei SOSE stieg die Zufriedenheit mit der eigenen work-life Balance nach neun Monaten im Versuchszeitraum von 4 auf 84%. 98% der Belegschaft sind der Meinung, dass sich ihre Motivation und Arbeitsmoral durch die Umstellung der Abläufe deutlich verbessert haben. Darüber hinaus ging die psychisch bedingte Abwesenheitsrate um 25,7% zurück.
Den gesamten Projektbericht gibt es hier.
Im Rahmen der Kollektivvertragsverhandlungen 2019 im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich in Österreich forderten die Gewerkschaften GPA und vida kürzere Arbeitszeiten gefordert, was durch einen landesweiten Aufbruch mit zahlreichen Streiks begleitet wurde. Schließlich wurde als erste Branche in Österreich in der Sozialwirtschaft die 37-Stunden-Woche als Normalarbeitszeit festgelegt. Seit 1. Januar 2022 gilt die Regelung.
In der Podcast-Serie wird beleuchtet, wie dieser Arbeitskampf hinter den Kulissen ablief. Die Folgen zum Nachhören gibt es hier.
Die Diskussion um Arbeitszeitverkürzung gewinnt weltweit an Bedeutung. Vorreiter ist Island: Ein Feldversuch ab 2014 in Reykjavík führte zur Einführung einer 35- bis 36-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst und später zu neuen Tarifregelungen. Die Versuche verbesserten das Wohlbefinden der Beschäftigten, ohne die Servicequalität zu beeinträchtigen, und dienten als Ausgangspunkt für weitere kollektive Arbeitszeitverkürzungen. Heute kann die Mehrheit der isländischen Beschäftigten ihre Arbeitszeit reduzieren – Island gilt damit als europäischer und weltweiter Vorreiter.
Hier den ganzen Bericht lesen: https://www.rosalux.de/publikation/id/53232/islands-weg-zu-einer-kuerzeren-arbeitswoche
Der Bericht der Rosa-Luxemburg-Stiftung analysiert das größte Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche weltweit, das von Juni bis Dezember 2022 im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde. An dem Versuch nahmen 61 Unternehmen mit rund 2.900 Beschäftigten teil. Das Modell basierte auf dem sogenannten „100-80-100“-Prinzip: 100 % Bezahlung, 80 % Arbeitszeit und 100 % Leistung.Die Ergebnisse waren überwältigend positiv: 92 % der teilnehmenden Unternehmen gaben an, die Vier-Tage-Woche fortführen zu wollen, 96 % der Beschäftigten berichteten von weniger Stress, 71 % erlebten ein geringeres Burnout-Niveau, und auch Schlafprobleme sowie Angstzustände gingen zurück. Die Produktivität blieb stabil oder stieg sogar an. Einige Unternehmen berichteten von verbesserten Arbeitsabläufen und höherer Mitarbeiterbindung. Der Erfolg des Projekts hat das Potenzial, die Diskussion über Arbeitszeitverkürzung in Großbritannien und darüber hinaus zu beeinflussen. Die vollständige Studie ist hier als PDF verfügbar.